Interview mit Markus Solmsdorff von ExperCash
1) Im Moment ist der Markt der Payment Service Provider (PSP) wieder deutlich mehr in Bewegung als noch vor einiger Zeit und viele Anbieter machen durch Übernahmen und Kooperationen von sich reden. Warum hört man derzeit verstärkt von Übernahmen und Allianzen. Was bedeutet das für den Markt?
Zunächst einmal wirken hier, wie auch in jedem anderen Marktsegment, die normalen Mechanismen wirtschaftlichen Handelns: Wo eine attraktive Rendite für das eingesetzte Kapital zu erwarten ist, wird auch immer investiert werden. Ein anderer weit verbreiteter strategischer Ansatz, der momentan auch im Markt der PSP zu beobachten ist, ist die Erweiterung der Wertschöpfungskette, wie z.B. bei Visa, MasterCard, FirstData, AtosOrigin, Ingenico u.v.m. Das Ziel der Unternehmen dabei ist, dem Kunden eine möglichst tiefe Wertschöpfungskette aus einer Hand anzubieten.
2) Auf welche Entwicklungen im Payment-Markt sollten sich Online-Händler in den kommenden Jahren einstellen?
Die Anzahl der Anbieter wie auch die Vielfalt der Zahlungsverfahren, wird bis auf weiteres zunehmen. Dadurch wird es für den Online-Händler immer wichtiger, die Präferenzen und Verhaltensweisen seiner Zielgruppe beim Einkauf im Internet zu analysieren und den Einsatz von Zahlungsverfahren noch genauer zu kennen und sich darauf auszurichten. Dabei gilt es, sowohl eine ausreichende Anzahl als auch den richtigen Mix an Bezahlarten anzubieten. Für die Auswahl maßgeblich sind: die Verfügbarkeit eines Zahlungsverfahrens, die Verbreitung innerhalb der Zielgruppe, die Sicherheit und die Benutzerfreundlichkeit. Nicht zu vergessen natürlich personeller und finanzieller Aufwand beim Händler für die Abwicklung, inkl. Ausfallrisiken.
3) Risikomanagement ist nach wie vor ein heißes Thema für Payment Service Provider. Warum tut man sich so schwer damit?
Wir (= ExperCash) setzen uns seit Beginn unserer Tätigkeit mit dem Thema Risikomanagement und Betrugsprävention sehr intensiv auseinander. Denn für uns ist das Thema Risikomanagement originär mit dem Thema ePayment verknüpft. Der Verkaufsprozess im Internet ist geprägt von der Anonymität des Mediums, die insbesondere beim Bezahlen zum Tragen kommt. An der Kasse muss versucht werden, diese Anonymität zu eleminieren. Deshalb ist unser Credo: Wer ePayment anbietet, der muss auch Risikomanagement beherrschen. Das Thema ist gerade in Deutschland nicht zuletzt wegen der besonderen Datenschutzbedingungen hoch komplex.
Und genau aufgrund der Komplexität tun sich Händler mit dem Risikomanagement so schwer. Sich in die komplexe Thematik einzuarbeiten ist für den Händler, der sich ja auf seine Kernkompetenzen konzentrieren möchte, sowohl schwierig, weil fremd, und als auch zeitintensiv. Daher kümmert sich der Händler in der Regel zuerst einmal darum, seinen Kunden adäquate und beliebte Bezahlarten anzubieten, um sie an der Kasse beim Check Out nicht zu verlieren. Risikomanagement rückt oft erst dann in den Fokus, wenn „das Kind zum ersten Mal in den Brunnen gefallen ist“. Will heißen, wenn der Händler zum ersten Mal unter Zahlungsausfällen leidet. Häufig ist es auch sehr schwierig jedes mögliche Betrugsszenario zu antizipieren. Genau darin liegt jedoch die Stärke einer guten Betrugsprävention. Read the rest of this entry »